Ich bin wohl keine dieser aufregenden jungen Gründerinnen, die während ihres Studiums im Keller der Eltern an ihrer Idee gebastelt hat, um direkt nach der Uni mit dem eigenen Business durchzustarten. Vielmehr musste ich feststellen, dass es bei mir deutlich länger gedauert hat meinen eigenen Kopf und meinen eigenen Weg zu finden. Da ich nach dem Abi keinen konkreten Plan hatte, war es ja eigentlich erst mal nicht so schlecht zu studieren. Aber was? Ich bin wie ein kopfloses Huhn von Medienwirtschaft in Köln, über VWL in Mainz bei Jura gelandet. Ich habe also Jura an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz studiert. Zu dem Zeitpunkt hatte ich für mich immer hin schon mal herausgefunden, dass ich in meiner gewohnten Umgebung bleiben möchte. Es musste für mich also keine große, aufregende und unbekannte Metropole sein, die sich entweder am nördlichen oder am südlichen Rand Deutschlands befindet. Für mich war Mainz zu diesem Zeitpunkt ja schon eine richtige Metropole 😊. Das kommt davon, wenn man auf dem Land aufgewachsen ist! Das Referendariat habe ich dann in Bad Kreuznach gemacht, noch näher an zu Hause 😊 Ich habe also schließlich bis zu meinem 30. Lebensjahr im Haus meiner Eltern gewohnt und es nicht bereut. Liegt aber auch einfach daran, dass ich großartige Eltern habe!!

Als ich meinen Mann kennenlernte war mir von jetzt auf gleich klar, ich werde wahrscheinlich nicht mehr so häufig im Leben das Glück haben, jemanden zu treffen, mit dem ich absolut die gleichen Wertvorstellungen teile und mit dem das Leben so viel Spaß macht. Wir sind zwei Träumer, die sich nicht mit dem „normalen“ Leben zufriedengeben wollen. Wahrscheinlich hat unsere Begegnung auch am meisten dazu beigetragen, dass ich angefangen habe mich wirklich mehr mit dem zu beschäftigen was mich tatsächlich interessiert.

Was interessiert mich also wirklich?
Tiere haben mich ja eigentlich schon immer interessiert. Neben meinem Pferd, das jetzt schon seit 14 Jahren ein treuer Freund ist, habe ich mich intensiver mit dem Thema Tierschutz auseinandergesetzt, was letztendlich zu der Adoption unserer beiden Hunde geführt hat. Das Thema Sport hat eigentlich auch immer dazu gehört. Vielleicht habe ich keine Modelmaße, aber unsportlich war ich eigentlich nie. Ich habe auch immer gerne neue Sachen ausprobiert:

  • Ballett/Tanzen (kann ich aufgrund der nicht vorhandenen Merkfähigkeit von Choreographien eher streichen),
  • Klettern (ich habe Höhenangst, sogar beim Bouldern),
  • Tennis (Lachen und Rennen verträgt sich nicht. Fragt mal meine Schwester),
  • Fitnessstudio (achso, man wird nicht durchs Bezahlen allein fitter),
  • Laufen war nie meine große Leidenschaft, aber ich musste es mir mal beweisen und bin einen Halbmarathon gelaufen.
  • Während meinem 3-monatigen Aufenthalt in Australien während des Referendariats, konnte ich Yoga für mich entdecken. Meine Erkenntnis: Kannste nix, kannste trotzdem Yoga machen, denn da kommt es nicht aufs Können an, sondern einfach aufs Machen.
  • Das Reiten gehört einfach schon immer dazu und wird es hoffentlich auch noch für lange Zeit.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich auch intensiver mit dem Thema Landwirtschaft. In einem weniger lichten Moment wollte ich sogar einen Fachanwalt im Agrarrecht machen. Ich will aber doch gar keine Anwältin sein. Naja, inhaltlich finde ich das Thema aber sehr interessant. So kam dann vor einigen Jahren der Umstieg auf biologisch angebaute Produkte, dann wurde ich Vegetarier und jetzt bin ich Veganer😊 Früher war ich wohl einfach noch nicht bereit mir all diese Gedanken zu machen oder war mit mir selbst und dem Erwachsenwerden beschäftigt, aber heute komme ich von diesen Themen nicht mehr los. Manchmal empfinde ich es schon als Last, da man gar nicht weiß wo man anfangen soll, aber ich habe für mich beschlossen einfach das bestmögliche zu versuchen und auch die kleinste Kleinigkeit führt zu einer Verbesserung. An machen Tagen kann ich es zwar kaum ertragen wie anderen Menschen alles so egal ist, aber anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, versuche ich selbst etwas zu ändern und zu verbessern.

Das ist wahrscheinlich auch meine größte Motivation, warum meine Produkte UNBEDINGT und AUSNAHMSLOS mindestens GOTS-zertifiziert sein müssen. Das heißt, es wird alles biologisch hergestellt und bei fairen Bedingungen verarbeitet. Natürlich kann man sich jetzt darüber streiten, ob die Produkte dann unbedingt aus Indien kommen müssen, aber wie gesagt, irgendwo muss ich anfangen. Ganz im Gegenteil finde ich es schön, dass die Menschen vor Ort dadurch unterstützt werden und einen besseren Lebensstandard für sich und ihre Familien erreichen können. Immerhin kommt die meiste Baumwolle aus Indien. Wenn wir in Deutschland also Baumwolle tragen wollen, dann müssen wir sie entweder selbst anbauen (schwierig) oder sie irgendwann mal mit dem Schiff nach Europa schaffen. Warum also geben wir den Menschen dort nicht direkt die Chance ihre Produkte selbst zu verarbeiten und damit mehr Arbeitsplätze zu schaffen. In Deutschland können wir uns zumindest aktuell wohl kaum über den Arbeitsmarkt beschweren. Da die meiste Baumwolle in Indien angebaut wird, gibt es dort auch die meisten Betriebe die bereits GOTS-zertifiziert sind. Beim global organic textile standard (GOTS) ist es ja so, dass jede Fertigungsstufe, also auch die Herstellung zertifiziert sein muss. Für mich ist das ein wichtiger Punkt, denn nur so kann eine hervorragende bio-Qualität gewährleistet werden und auf der anderen Seite die Mitarbeiter schützen.

Gelernt, also in Form eines Studiums oder einer Ausbildung, habe ich die ganze Sache nicht. Genau das ist eben das großartige an der heutigen Zeit. Man muss nicht den besten Abschluss in etwas haben, um erfolgreich zu sein, man muss nur einfach gut sein in dem was man tut und gut ist man nur, wenn es einem wirklich am Herzen liegt und man Spaß dabei hat. Ergo ich wäre nie eine gute Anwältin geworden.

Aktuell sehen meine Tage daher folgendermaßen aus:

Ich werde um 7 Uhr wach, weil die Glocken der Kirche nebenan läuten. Dann versuche ich erst einmal ein bisschen Yoga zu machen. 15 Minuten Yoga und es wird ein richtig guter Tag, da ich mich dann einfach super fühle. Danach sind natürlich die Hunde dran. Unsere halbstündige morgentliche Runde ist einfach ein Muss. Wahrscheinlich ist das sowas wie mein morgendlicher Kaffee. Damit kann der Tag so richtig starten. Duschen, frühstücken und dann erst mal ein Blick auf mein Handy, ob irgendetwas Spannendes passiert ist. Dann fahre ich mit den Hunden ins Biyoga-Büro und erledige alles was bei Biyoga gerade so anfällt. Da hier in der Regel kein Tag wie der andere ist, könnte hier jetzt alles stehen. Buchhaltung und Steuern sind ein Dauerthema, genauso wie der Kontakt zum Designer um neue Produkte zu erstellen bzw. Änderungen vorzunehmen. Das Highlight am Tag ist aber das Verpacken der Ware. Das ist der Moment, in dem ich das Ergebnis meiner Arbeit in den Händen halte und richtig stolz bin. Das was ich dann vor mir sehe habe ich selbst geschaffen (natürlich mit ganz viel Hilfe) und es ist nachhaltig. Nachhaltig in Form von biologisch hergestellten Produkten, fairer Umgang mit den Menschen, Verwendung von Altpapier, Verzicht auf Plastik und die Bemühungen alle Emissionen zu gering wie möglich zu halten. Mir ist natürlich auch bewusst, dass ich mich nicht darauf ausruhen kann, sondern dass ich auch weiterhin versuchen werde die Welt ein bisschen „grüner“ zu machen.
Nach dem Büro geht’s dann zum Pferd. Das darf natürlich auch nicht fehlen und ist für meine Seele ganz wichtig. Den restlichen Abend verbringe ich dann am liebsten mit meinem Mann und wir kochen uns etwas leckeres. Aktuell habe ich eine übertriebene Burger-Phase. Davor wars Curry. Mal sehen was als Nächstes kommt! Ein richtig guter Tag endet dann mit einem richtig guten Buch. Gerade lese ich „The Miracle Morning“ auf Englisch. Eigentlich lese und gucke ich alles auf Englisch. So bleibe ich wenigstens ein bisschen drin und muss ich nicht wieder so viel stottern, wenn ich mich auf der nächsten Messe mal wieder auf Englisch unterhalten möchte 😊 Das Buch finde ich auch super motivierend. Ich lese auch gerne mal eine Biographie eines interessanten erfolgreichen Menschen, denn wenn man sieht wie andere es geschafft haben ihren Traum zu verwirklichen, dann glaube ich mehr daran, dass ich es auch schaffe. Mal sehen, ob sich der Miracle Morning auch bei mir etablieren kann. Eine Stunde am Tag mehr Zeit für Biyoga kann bestimmt nicht schaden, denn Arbeit gibt es ja immer genug 😊.

Bleibt gesund und stets motiviert! Vielen Dank für Euer Interesse,

Eure Aline