Das Gewahrsein über den eigenen Körper ist so essenziell wichtig und gleichzeitig ein Thema für sich in unserer leistungsfokussierten Gesellschaft und einem auf Funktionalität getrimmten Alltag. Wie oft vergessen wir im Eifer des Tages auf uns selbst zu achten und zu hören?

Wie oft sind wir uns gar nicht bewusst, was gerade jetzt in dem Moment im eigenen Körper vor sich geht und was wir gerade jetzt für ein Bedürfnis haben? Oder in welcher (geistigen, emotionalen, physischen oder seelischen) Verfassung wir gerade wirklich sind? Wie oft ertappen wir uns dabei, erst (zu) spät(er) zu merken, dass wir unsere Grenzen überschritten haben? Dass wir unserem wahrem Bedürfnis nach Ruhe und/ oder verspieltem Leicht-Sein nicht nachgehen?

Die letzte Yogastunde hat mich hier wieder sehr schön daran erinnert, mich für mich zu fragen, in welcher Verfassung bin ich jetzt, heute, hier in diesem Moment? Was ist gut für mich, was kann ich und wo ist heute meine Grenze? Ganz ehrlich und ohne Wertung mit und für mich selbst. Ein schönes Gleichnis dafür sind für mich die beiden Yoga Asanas der Kranich und der Baum. Der Kranich beflügelt, der Baum erdet. Das eine ohne das andere ist hoffnungslos verloren. Der Mensch braucht beides.

Die tanzende Anmut des Kranichs

Seit sieben Jahren praktiziere ich Yoga, seit über drei Jahren ist es „Kreatives Hatha-Yoga“ von und mit der Menschenreise in Köln. Kreativ, weil wir bei der Menschenreise nicht festgefahren einer Struktur, einer Linie folgen, sondern ganz im Moment achtsam und bewusst sind und aktiv geschehen lassen, was sich zeigen möchte. Wir schwingen aktiv im Flow des Moments mit, im Flow unseres eigenen Moments, unserer eigenen Verfassung, so wie sie gerade nun mal ist. Und manchmal ist es auch wie eine künstlerische Tätigkeit – so auch beim Kranich-Asana.

Wie ihr vielleicht schon merkt, ich liebe den Kranich. Der Kranich ist eine Übung, eine Haltung, die einem Tänzer gleicht. Auf einem Bein stehend balancieren wir beim Kreativen Hatha-Yoga und bewegen unseren ganzen Körper tänzerisch zu unserem eigenen Takt. Mal ganz ruhig, mit wenigen sanften Bewegungen. Mal dynamisch, wild, mit vielen Bewegungen in allen Körperteilen. Alles mit dem Fokus auf der eigenen Balance und dem Fokus auf dem eigenen Flow.

Ist mir heute, jetzt hier in diesem Moment nach einem wilden Kranich-Rave? Dann tanzt mein Körper wild umher und die Balance zu halten kann auch schon mal scheitern und ich verliere den Halt und muss mich neu ein- und auf einem Bein ausrichten. Oder brauche ich gerade jetzt heute einen smoothen Kranich-Ride in ruhigen Gewässern, sanft schwebend im Raum? Dann bewege ich mich leicht und wehe in meinem eigenen Tempo ruhig umher, vielleicht  auch nur mit den Armen, alle anderen Körperteile ruhen.

Egal welchen Kranich-Tanzstil ich wähle, entscheidend ist, dass ich mir a) selbst Raum zur Bewegung gebe und b) dass ich schaue, welches Tempo und welchen Stil ich heute jetzt in diesem Moment wirklich brauche. Und dass ich mir Leichtigkeit, leichtes Sein, tänzerisches Geschehenlassen und mir meinen eigenen Ausdruck erlaube. Beim Yoga und ebenso in meinem Alltag. In einer natürlichen, das heißt für mich passenden Schönheit, als Ausdruck meiner eigenen Ästhetik – Als Kranich auf einem Bein flowend zu meiner eigenen Musik. Beim Yoga und ebenso in meinem Alltag.

Ein essenzieller Bestandteil eines glücklichen Lebens: Das Wissen um den eigenen Takt, den eigenen Rhythmus, den eigenen Ton und den eigenen Stil. Jetzt in diesem Moment.

Die starke Verwurzelung des Baums

Für mich steht dem Kranich- das Baum-Asana gegenüber. Wo der Kranich tanzend, schwebend, flatternd, fliegend daherkommt, ist der Baum stabil, standhaft, mit dem Stamm fest auf dem Boden stehend. Beim Baum-Asana steht man auch auf einem Bein und der Fokus liegt ebenfalls darauf, die Balance zu halten – Aber in einem bewegungslosen Stand. Wie ein Baum stehen wir stabil, fest und tief verwurzelt auf der Erde und spüren unsere Erdverbindung, unsere Wurzeln und unsere Stabilität. Kommt ein Sturm auf, bewegen wir uns mit, um nicht umzufallen. Nach dem Sturm richten wir uns wieder auf und stehen aufgerichtet in unserer vollen Größe und atmen. Unsere Energie kann fließen zwischen unten und oben, oben und unten. Eine starke, tiefe Verwurzelung ist die Folge.

Das eigene innere Gleichgewicht immer wieder anpeilen – Biyoga Be Yourself

Beide Asanas dienen der Ausrichtung auf das eigene innere Gleichgewicht. Dieses Gleichgewicht braucht die eigene Standfestigkeit und Stabilität, so dass ich mir und meinen Werten treu bin und bleibe. In schwierigen Situationen unabdingbar, damit ich aus diesen gestärkt hervorgehe und den nächsten Schritt angehe oder eine neue Lebenslage einleiten kann. Ebenso brauche ich meinen Flow, das leichte Sein in leichten Momenten für den Ausdruck meines natürlichen Seins.

Denn das Leben ist nicht nur Tun und Verantwortung, sondern auch Freude, Musik und Tanz. Das eigene Sein jetzt und hier und in diesem Moment erinnert uns von ganz alleine daran.

Namaste, Sara – Part of the #Biyoga-Team – #BiyogaBeYourself

Fotocredit Beitragsbild oben „Cranes in the sea“ – Photo by Michael Whyte on Unsplash

 

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