Aber was hat „vegan“ denn mit Mode zu tun? Das könnte man sich jetzt fragen, aber ich glaube der Schritt hin zu nachhaltiger Bekleidung ist meist nicht der einzige „nachhaltige“ Aspekt im Leben. Themen wie vegetarisch, vegan, bio, Plastikvermeidung, zero waste, etc. spielen da vielmals eine große Rolle.  Daher möchte ich euch als Gründerin eines nachhaltigen Modelabels etwas über die anderen Aspekte in meinem Leben berichten und der spannendste Punkt ist da nun mal die vegane Ernährung.

Angefangen habe ich –wahrscheinlich wie die meisten Veganer- als Vegetarier.

Ein richtiger Fleisch-Fan war ich eigentlich nie. Sobald man Sehnen oder Fett gesehen hat, wollte ich es nicht essen. Als Kind habe ich schon lieber Nudeln pur gegessen, also ohne die Hackfleischsoße.

Obwohl ich mit Tieren aufgewachsen bin und schon sehr früh ein Pferd hatte, habe ich mich nie wirklich damit beschäftigt, woher mein Essen kommt. Warum eigentlich nicht? Irgendwie hat sich einfach niemand dafür interessiert und selbst bin ich eben auch nicht auf die Idee gekommen mal nachzuforschen. Fleisch war einfach da und gehörte dazu. Umso älter ich wurde, umso weniger Fleisch habe ich gegessen, aber vor allem, weil ich es ekelig fand. Erst mit 20 habe ich angefangen mir Gedanken zum Thema „Bio“ und „Fleisch“ zu machen.

Und irgendwann war es dann soweit. Ich bin Vegetarier. Ein Bio-Vegetarier um es genau zu nehmen. Bio nicht aus Tierschutzgesichtspunkten, sondern weil ich nicht von meinem Essen krank werden möchte und auch unsere Natur nicht zerstören möchte. Mein Vater baut, wie schon mein Großvater, Gemüse selbst an. Und Überraschung: Es wird jedes Jahr was draus, ganz ohne Chemie. Bio und Tierschutz gehören für mich auch nicht wirklich zusammen. Vielleicht bekommt jedes Tier auf einem Bio-Hof 1-2 m² mehr Fläche und ein anderes Futter, aber geht es den Tieren dadurch wirklich deutlich besser? Auch bei diesem Biofleisch habe ich nicht das Bild der glücklichen Kuh auf der grünen Wiese vor Augen gehabt. Als ich in einer kurzen Phase geistiger Umnachtung dachte den Fachanwalt im Agrarrecht zu machen, habe ich angefangen mich wirklich intensiver mit der Haltung und Aufzucht von Kühen zu beschäftigen. Schnell wurde mir klar, wenn ich tierische Produkte von Herstellern meiner Wahl kaufen möchte, dann muss ich wirklich intensiv danach suchen. Selbst in den Bioläden gibt es viele Produkte großer Ketten, die zwar die EU-Verordnung einhalten, aber eben nicht die Kühe auf der grünen Wiese in Herden mit ihren Kälbern halten. Es geht natürlich trotzdem um den Profit. Klar, irgendjemand müsste ja sonst auch die Preise für die märchenhafte Haltung bezahlen. Die arme Milchkuh war also letztendlich meine Hauptmotivation erst die Milch, Sahne und co. wegzulassen und durch pflanzliche Produkte zu ersetzen und zuletzt auch auf meinen heißgeliebten Käse zu verzichten. Für jemanden der „Käsebrot“ als seine Lieblingsspeise bezeichnete, war das ein großer Schritt, aber kein schwerer. Ich wollte es einfach nicht mehr und dadurch ist es mir auch sehr leichtgefallen.

Mein Umfeld hat auf diese Umstellung sehr unterschiedlich reagiert. Für einige war es glaube ich keine große Überraschung, andere konnten es wiederrum überhaupt nicht verstehen. Am lustigsten ist es, wenn diese uralten Glaubenssätze ausgepackt werden: Du bekommst dadurch nicht genügend Proteine. Du wirst krank durch den Nährstoffmangel. Das hälst du nicht lange durch, da es ja keine leckere Essenauswahl gibt. Die Ernährung ist komplett einseitig. Tiere sind doch genau dafür da. Schon unsere Ur-Vorfahren haben Tiere gegessen, also ist das so gewollt. Und so weiter.
Leute die sich selbst schon etwas mit dem Thema beschäftigt haben fragen immer zuerst nach dem Vitamin B12. Aber ich habe mich wirklich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt und kann mittlerweile gut mit diesen Fragen und Aussagen umgehen. Ja, ich supplementiere Vitamin B12. Warum? Weil ihr Fleischesser das auch tut, nur nicht bewusst, denn bei euch wird das direkt an die Tiere verfüttert. Vitamin B12 wird aufgrund der Haltungsform durch die Tiere meist nicht selbst oder nicht ausreichend produziert und nur durch Futtermittel hinzugefügt. Es steht sogar in den Fütterungsempfehlungen für Schweine Vitamin B12 zu füttern. Tja, das weiß halt kaum jemand. Es steht somit fest, dass egal nach welcher Form wir uns ernähren Vitamin B12 von außen aufnehmen müssen. Dann entscheide ich mich aber für die nicht tierische und direkte Variante.
Und ja, ich nehme genügend Proteine zu mir, da es auch pflanzliche Proteinlieferanten gibt: Soja, Lupinen, Weizeneiweiß, etc. um nur mal die wichtigsten zu nennen. Aufgrund des abwechslungsreichen Gemüses, das ich zu mir nehme, bin ich auch mit allem anderen bestens versorgt. Woher ich das schon wieder weiß? Ich lasse regelmäßig mein Blut kontrollieren. Ob das ein Fleischesser auch regelmäßig tut? Wahrscheinlich nicht. Also redet nicht von einer Mangelernährung, wenn ihr selbst keine Ahnung habt wie sich eure Ernährung auswirkt.

Der ein oder andere denkt sich wahrscheinlich, was für ein moderner Blödsinn, diese vegane Ernährung. Ein Trend, der bald wieder vorbei ist. Dabei ist das eigentlich gar nicht so modern. Es gibt sie schon immer. Nur wir im privilegierten Westen haben wir lange unsere Augen davor verschlossen. Oder „Was der Bauer nicht kennt!“ Alles was unser Leben verlängern könnte, weil wir dadurch vielleicht weniger krank werden, setzt sich irgendwann durch. Es wird außerdem aktuell zum Thema, da diese Ernährungsform nämlich nicht nur den Vorteil hat, dass dadurch Tierleid vermieden wird. Es ist auch bekannt geworden, dass die Fleischindustrie einer der Hauptmitverursacher des Klimawandels ist. Woher ich das weiß? Ich weiß es nicht, aber viele Fachleute tun es. Für mich macht das was die Leute sagen Sinn und sofern nur die Chance besteht, dass man dadurch unseren Planeten schützen könnte, dann würde ich es tun. Aber da das nicht meine Hauptmotivation ist, ist dieser Aspekt nur ein zusätzlicher Grund.

Vegan ist aber mehr als nur die Ernährung.

Vorneweg muss ich aber direkt sagen, dass ich aufgrund meiner Entscheidung vegan zu leben nicht direkt alles nicht-vegane aus meinem Leben verbannt habe. Alte Lederschuhe oder Handtaschen werfe ich aufgrund dieser Entscheidung nicht weg, da das gegen einige andere meiner nachhaltigen Prinzipien verstoßen würde. Jedoch kaufe ich mir keine neuen Lederprodukte mehr. Und das zieht sich eigentlich wie ein roter Faden durch mein Leben. Kosmetik verwende ich ohnehin nur noch sehr wenig. Dank meines Mannes kann ich mich auch ungeschminkt im Spiegel betrachten und erkenne mittlerweile die wahren Schönheiten im Leben. Natürlich kann ein bisschen Schminke das auch mal unterstreichen oder einen weniger selbstbewussten Menschen unterstützen, aber es geht eben auch mit weniger. Auch Waschmittel und Reinigungsprodukte können bio und vegan sein und ich kann euch sagen, man kann auch ohne Weichspüler gut und hygienisch leben. Mein Deo mache ich selbst und ansonsten verwenden wir nur noch feste Seife, um so weniger Müll zu produzieren. Sogar unsere Zahnpasta ist vegan!
Das geht natürlich im Rest des Haushalts weiter. Kissen bestehen nicht aus Daunen und Wolle nur aus Baumwolle. So schlage ich auch den Bogen zurück zu Biyoga, denn alles was ich mir kleidungstechnisch neu kaufe ist GOTS-zertifiziert und besteht damit überwiegend aus Biobaumwolle. Und da ich häufig meine eigene Kleidung trage ist diese auch noch vegan. Die Kleidung ist nämlich „vegan approved“ durch PETA.

Ein veganes Leben kann auch ganz schön anstrengend sein.

Es geht ja schon los beim Essen außer Haus. Meine Familie und Freunde haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass es für mich in der Regel eine Extrawurst gibt oder es wird von vornherein so gekocht, dass es vegan ist. Am gruseligsten sind allerdings Restaurantbesuche. Da ist mir auch fast schon alles begegnet von „wir haben nur Salat für Sie“ bis „klar ist das vegan“ und dann finde ich Fleischbällchen im Essen. Häufig liegt es glaube ich daran, dass vielen Leuten nicht bekannt ist was vegan eigentlich bedeutet. Das finde ich auch nicht schlimm und informiere gerne darüber, aber verarscht werden möchte ich nicht. Ja, ich merke, wenn da Fleisch drin ist. Selbst Käse und Milch kann man schmecken. Schwieriger ist es natürlich bei den Produkten, die auf den ersten Blick vegan wirken, aber sicher wissen kann man es nur nach einer Recherche und Anfrage an den Hersteller. Bei Öl, Aromen und Säften ist da ja schon eher ein Problem. Zum Glück gibt es in Lebensmittelläden immer mehr Produkte mit einem veganen Label. Das erleichtert die Suche schon sehr. Zudem gibt es zum Glück immer mehr vegane Restaurants oder vegane Speisekarten. Häufig werde ich auch wirklich positiv überrascht. Selbst in Restaurants die nichts Veganes auf der Karte haben, sind die Menschen häufig bemüht eine leckere Alternative für mich zu finden. Es kommt mir auch nie so vor als wäre die Leute dann von mir genervt. Vielleicht würden einige sogar häufiger vegane Speisen anbieten, wenn die Nachfrage da wäre.

Nach meinem Kenntnisstand sind wir aktuell knapp eine Million Veganer in Deutschland, vegetarisch ernähren sich immerhin acht Millionen Menschen in Deutschland. Und täglich werden es mehr.

Belehrungen können dabei nicht helfen die Zahl zu erhöhen.

Viele Leute in meinem Umfeld sind immer sehr an meiner Ernährungsweise interessiert. Natürlich kamen auch schon die Kommentare „Ein bisschen Fleisch im Essen schadet dir ja nicht“, aber das passiert zum Glück sehr selten und wird auch immer weniger. Ich erkläre den Leuten auch gerne warum ich mich dafür entschieden habe. Nicht um ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern vielmehr, um sie zu informieren und zum Nachdenken anzuregen. Ich habe mir ja auch nicht immer Gedanken darüber gemacht und würde daher nie versuchen die Leute zu belehren oder von der veganen Ernährung zu überzeugen. Am Ende des Tages muss jeder selbst wissen was er tut und sich damit wohlfühlen. Ich hoffe einfach, dass noch viel mehr Leute dieses Erwachen haben, so wie es bei mir war, denn dann ist es ganz leicht. Was ich aber vor allem hoffe, ist dass die Preise für tierische Produkte erheblich ansteigen, denn egal ob es jemandem bewusst ist was er ist, Tiere haben es nicht verdient so schlecht behandelt zu werden. Sie zu essen ist die eine Sache, aber warum müssen sie in ihrem kurzen Leben bis zur Schlachtung Qualen erleiden? Das ist für mich der wunde Punkt, der auch nicht zur Diskussion steht. Erst kürzlich habe ich bei Facebook gelesen, dass ein Mädchen ihr Pferd gegessen habe und dass einige Leute sich darüber echauffiert haben. Warum? Wieso machen wir einen Unterschied zwischen Tieren die wir hegen, pflegen und lieben und denen die wir ausbeuten? Wäre es denn nicht viel schöner allen Tieren ein schönes Leben zu ermöglichen und sie dann gegen Ende zu schlachten? Diese Blindheit ist eigentlich das einzige was mir Sorgen bereitet. Das wirkt so egoistisch und wenig emphatisch. Für mich komplett unverständlich.